und andere essgestörte. Ich bin, wie alle wissen, die das Blog schon länger lesen, lebenslange Vegetarierin. Und mir gehen die meisten anderen Vegetarier und insbesondere Veganer, Makrobioten und andere extrem einschränkende Diäthaltende total auf den Keks. Diese Bereitschaft das Evangelium (ihrer besseren Essweise) zu verbreiten: grauenhaft. Genauso nerven mich Menschen, die spät zum Vegetariersein konvertiert sind, weil ihnen die Tiere so leid tun, weil es doch so viel gesünder ist, was auch immer. Was mich an diesen Menschen stört, ist ihre konstante Beschäftigung mit Essen und ihre drängende Botschaft, dass sie den heiligen Gral gefunden haben und bitte, bitte alle anderen auch retten wollen.
Man muss wirklich, ehrlich kein Vegetarier/Veganer/Makrobiot sein, um sich gesund zu ernähren. Man kann sich mit diesen Methoden gesund ernähren, wenn man weiß was man tut. Es gab zu dieser Obsession zwei Artikel, die mir gut gefallen haben:
Ich sage nicht, dass jemand, der gerade seine Ernährungsweise komplett umgestellt hat unter einer Essstörung leidet. Aber die Missionierung… nee, danke. Gesunde Ernährung: gerne. Gutes Essen: sofort. Aber bitte mit einem entspannten Verhältnis zu sich und der Nahrungsaufnahme und ohne anderen ihr Essen madig zu reden. Mitbewohnerette #9 ist zwar ohne Evangelium unterwegs, aber ich habe ein wenig den Eindruck, dass sie sich ein paar Modediagnosen zu viel geholt hat und sich deswegen den Spaß am Essen verdirbt. Sie isst nämlich kein Gluten, keine Lactose und keinen Zucker (auch keinen Fruchtzucker). Ich habe das Gefühl, dass Lactoseintoleranz und Zöliakie die Modediagnosen seit ein paar Jahren sind. So wie es vorher den Reizdarm und davor den Darmpilz gab. Sicherlich gibt es Menschen, die den ganzen Krissel haben, aber so viele? Wenn es vorher fast keine gab? Ich habe meine Zweifel. Es scheint eher eine Ausrede zu sein, einer Diät folgen zu müssen, die u.a. zur Folge hat, dass die Mädels (und meistens sind es Mädels) sehr, sehr dünn werden und natürlich nichts dafür können. Schließlich ist es eine medizinische Diagnose.
Also, das verstehe ich nicht. Wer Gluten und jeder Art von Zucker meidet, dann bleibt einem doch fast nur Fleisch und Fett?
Kommentar von der Nerd am Herd — 12. November 2007 @ 8:56 |
Alles, was mit sektiererischen Tendenzen zu tun hat, lehne ich grundsätzlich ab. Essen ist keine Religion, es ist in erster Linie Freude am Geschmack und erst in zweiter Linie Zufuhr von Brennstoff. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass solche Typen Spaß am Essen haben. Und solche Leute gehen mir schon per se auf den Sack. Und klar, man kann sich auch irgendwelche hippen Diagnosen stellen lassen, um den Schwachsinn zu rechtfertigen. Aber hipper und stylisher wird man dadurch bestimmt nicht.
Kommentar von Martin — 12. November 2007 @ 9:56 |
@der Nerd am Herd:
Na,ihr bleiben als Getreide z.B. Reis,Mais, Hirse. Sojaprodukte als Milchersatz und fast alle Gemüsearten. Es geht schon irgendwie. Aber schön is anders. sie hat da so eine Art Toastbrot: Gluten- und Lactosefrei.Darauf dann Erdnussbutter: Frühstück. Aber sie ist so schon arg dünn und dann die WeightWatchers Mahlzeiten zu sich zu nehmen ist in meinen Augen dann auch wenig hilfreich.
@ Martin:
Ich gebe Dir vollkommen Recht. Essen ist der Sex des Alters und dafür übe ich schon mal fleissig.
Kommentar von kochschlampe — 13. November 2007 @ 1:21 |
Ich hatte mal eine Mitbewohnerin, die hatte den damals obligatorischen Darmpilz. Also kein Zucker, kein Weißmehl. Außerdem glaubte sie an basische Ernährung (kein Honig) und trank keinen Alkohol. Vegetarierin war sie eh. Dann hatte sie eine etwa pfenniggroße juckende Stelle am Finger. Sie besuchte eine Heilpraktikerin, die “Gifte im Darm” diagnostizierte und ihr riet, ihre Ernährung umzustellen. Ab da musste sie jeden Morgen eine große Schüssel Obst essen, Avocado und speziell Käse, ihre bisherigen Lieblingsspeisen waren tabu (macht Gifte im Darm). Sie war nicht dünn, aber unglaublich zwanghaft veranlagt. Ich glaube, die ganzen Vorschriften gaben ihr Halt im Leben….
Kommentar von zitronencurry — 13. November 2007 @ 11:01 |
Hmm.. Ich bin schon immer Vegetarier gewesen, und habe auch nicht vor das zu ändern. Allerdings mache ich das nich, wie von dir beschrieben, um das Evangelium zu betreiben.^^ Genauer gesagt, gehöre ich nichtmal irgendeiner Religion an. Mich ekelt es halt einfach irgendwie an, ein totes Tier zu essen. Auf der andern Seite versuch ich aber auch tollerant gegenüber Fleischessern zu sein, und mache ihnen auch nich das Essen schlecht. (Ausser wenn sie Vegetarier Witze reissen^^ Dann gehts aber los^^) Jedem das seine, würd ich ma sagen.
Kommentar von Jan — 13. November 2007 @ 5:59 |
Ich glaube die, key-take-home-message ist: Iss doch was du willst, solange es dir spass macht. Anderen auf den nervern rumzutrampeln gilt nicht.
Kommentar von groefaz de la cuisine — 14. November 2007 @ 4:34 |
Exactamente.
Kommentar von kochschlampe — 14. November 2007 @ 9:21 |
Erst mal: Ich liebe diesen Laden hier! Lese schon recht lange mit, allerdings eher so regelmäßig, wie ich Tintenfisch esse: eigentlich richtig gern, aber irgendwie zu selten.
Ich hoffe, es ist trotzdem nicht zu strange, dass ich zu diesem Thema erst so verspätet mein Händchen hebe. Ich hab kürzlich mal wieder mit genau diesen Auswüchsen diverser Mitmenschen zu tun bekommen, die das Ganze ersatz-religiös betreiben und verkünden, und werde das Gefühl nicht los, dass der ganze Schlamassel extrem zeitgeistig ist (eben: modisch). Natürlich gibt es formidable Gründe, Vegetarier zu sein. Natürlich GIBT es Allergiker. Aber ich beobachte das auch eher als Trend, nicht so sehr als Krankheit – obwohl sich die Konvertierten tatsächlich insofern wie Kranke verhalten, als sie eben unablässig darüber reden. Meine Theorie: Das Ganze dient schlussendlich dazu, permanent um sich selbst zu kreisen und sich wahnsinnig interessant zu finden, weil man sich (und alle anderen!) ganz doll beobachtet oder im Falle des Neu-Vegetariers plötzlich ganz bewusst und auch noch KLIMASCHONEND lebt. Profilneurotisches Essverhalten, quasi.
Ich fürchte, da ist sogar der Knackpunkt bezüglich der Bio-Welle – es geht da viel weniger um artgerechte(re) Tierhaltung oder weniger Gift in der Bude (Planet), sondern vor allem um weniger Gift in einem selbst oder dem eigenen Baby. Schön, das, wenn Eigennutz auch anderen nützt, könnte man sagen, und irgendwie ist es ja auch so. Aber mich nervt das evangelienhafte daran auch ganz ungeheuer, und die angeblich engagierten Weltverbesserer finden seltsamerweise ihre persönliche globale Endhaltestelle allzu oft tatsächlich am eigenen Körper: FairTrade z. B. ist denen ganz oft irgendwie doch zu teuer, die Erzeugerländer sind weit weg … und SO global war das ja nun doch nicht gemeint.
Ich liebe einfach gutes Essen und grüße in die Runde. Weitermachen!
Kommentar von Cat — 3. Juli 2008 @ 8:00 |
Cool, jetzt bin ich nicht nur nervige Vegetarierin sondern auch noch Klimaschützer. Dieser Aspekt ging doch bisher immer an mir vorbei! Essen ist übrigens wirklich wie Religion, alle sollen von mir aus essen/beten, was ihnen schmeckt/richtig vorkommt, solange sie mich nicht zum mMtmachen zwingen. Ich ess nämlich aus Prinzip nur, was mir schmeckt, alles andere mag ich nicht. Irgendwie schon logisch.
Kommentar von dontblog — 4. Juli 2008 @ 2:15 |
[...] als Religion Jump to Comments Ich bin durch einen Beitrag auf der Seite der Kochschlampe darauf gekommen: Essen ist heute eine Art moderner Religionsersatz. Gutes und gesundes Essen ist [...]
Pingback von Essen als Religion « Verweile doch — 4. Juli 2008 @ 4:49 |