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Mit steigendem alter ist man ja allermeistens immer weniger schnell wirklich zu beeindrucken. Kulinarische offenbarungen werden entsprechend seltener, oder sind nur noch mit wirklichem aufwand zu erlangen. Seit dem Steak bei Peter Luger ( siehe Trip Report: Peter Luger Steakhouse, Brooklyn, NY ) im letzten jahr gab es keine (bei mir), bis ich im August an die ligurische küste fuhr und dort das glück hatte, bei Rosa im Restaurant Rosa in Camogli einzukehren.

Das familienbetriebene restaurant liegt hier, mit einem sensationellen ausblick entlang der ligurischen küste und hat unter anderem unterschiedliche fische “a la Ligure” auf der karte.

Ich hatte Orata a la Ligure. Und himmel, war die gut! Weit über allem, was ich bisher als fisch auf dem teller hatte. Mein hirn schaltete sich zwischenzeitlich ab und ich war nicht ansprechbar.

Das ganze ensemble auf dem teller war molto semplice. So dermassen molto semplice, dass ich nichts fand, an dem ich mich festhalten konnte um mir diese gschmackskomposition zu erklären.

Das ganze ist dramatsich einfach und schafft es dabei doch eine fantastisch balancierte, vielschichtige textur- und geschmackslandschaft (mit nachhall) aufzuspannen, die an ein grossen kunstwerk grenzt.

Wieder zuhause stand ich vor der frage: Was tun? Wie baue ich das nach? In den folgenden wochen brachte ich zwei (gescheiterte) versuche hinter mich, das ganze aus der erinnerung reverse-zu-engineeren. Es klappte nicht. Falsche oliven, falsche kartoffeln, fisch ohne haut, petersilie und knoblauch im öl (falsch!) und ein gewisses niveau an angehäufter frustration stellte sich ein.

Das wissend, schenkte mir die in Genua halb-lokale freundin zum geburtstag jetzt die aufschrift eines interviews dieser tage mit der köchen des restaurants Rosa zum thema “wie macht ihr die orata a la ligure eigentlich?”. Grosse freude! Und damit das rezept einmal ganze exakt wie es sein muss durchcompiliert, kamen die direkt aus Genua importierten zutaten gleich mit. Bis auf den fisch, der kam frisch vom lokalen fischhändler in Zürich.

Die zutaten sind also Fisch, Kartoffeln, Oliven, Pinienkerne, Salz, Olivenöl, Wein, Zitrone. Sonst nichts. Gar nichts.

Wie gesagt, molto semplice. Fast schon militant einfach. Deshalb z.b. auch kein knoblauch und kein pfeffer. Und eben darum spielen die art und herkunft der zutaten eine so definierende rolle. Ich werde in den nächsten monaten versuchen entsprechende zutaten in Zürich zu sourcen und stelle mich auf eine lange und harte zeit ein.

Zum fisch. Geeignet sind z.b. orata (goldbrasse/dorade), spada (schwertfisch) oder branzino (worlfsbarsch). Das filet muss mit haut sein. Für den geschmack und damit man die filets später wenden kann ohne dass sie zerfallen. Je dicker das filet, desto besser. Wenn es keine filets mit haut gibt oder der fischhändler sich weigert sie einem so zu filetieren, lieber ausgenommene, ganze fische (bei orata und branzino) kaufen und selber filetieren. Das ist arbeit. Aber dieses gericht dultet keine halbherzigkeiten.

Kartoffeln.

Ich habe diese festkochenden “patate di romagna” aus dem supermarkt in Nervi mitgebracht bekommen. Sehr aromatisch und festkochend. Beim guten gemüsehändler sollte man ein brauchbares äquivalent finden können. Aus sicherheitsgründen wurde hier nicht rumgekaspert und erstmal der ligurische lokale defaultwert (der hier bei genauem hinsehen aus der emilia romagna kommt) auf dem bild oben geladen.

Olivenöl. Aus ligurischen oliven, mild und top qualität.

Sicherheitshalber wurde auch hier das öl direkt aus Nervi importiert. Halte ich bei sorgfältiger auswahl für ersetzbar durch etwas aus der lokalen olivenöl-schnöselbude. Ligurisch typisch wenig säure, plausibel auch wirklich aus ligurischen oliven gemacht – und nicht womöglich nur dort aus z.b. spanischen oliven gepresst.

Zitrone, Pinienkerne, Oliven

Auch alles aus Genua direktimportiert. Die pinienkerne waren ordentlich, sollten aber genausogut hier zu finden sein. Die zitrone hingegen ist schon etwas anspruchsvoller. Der saft dieser zirone hier ist deutlich weniger sauer bei zitronen, die man hier im supermarkt findet und klar intensiver im geschmack. Diese durch lokalbezug zu ersetzen wird schwieriger, ist aber womöglich kein dealbreaker wenn sie nicht exakt dasselbe ist. Die oliven hingegen sind ein absolut kritisches element. Diese schwarzen, kleinen, milden und festen ligurischen oliven mit kernen sind einer der geschmackstützpfeiler des gerichts. Ich habe hier noch keine entsprechend guten gefunden, schliesse aber nicht aus mit genügend aufwand solche oder vergleichbare zu finden. Alle, die ich bisher versucht habe aus lokaler quelle, waren leider einfach nicht elegant genug in form, textur und geschmack. Schwierig!

Salz.

Kein foto. Irgendein meersalz. Ich hatte grobkörniges, handgeschöpftes meersalz aus der salzidiotenecke im jelmoli.

Wein

Tschoh. Es muss einer dieser schnörkellosen, eleganten, mittelmächtigen, etwas buttrigen ligurischen weissweine sein. Dieser hier ist ein Lievantu Coasta di Mattelun 2009 aus den rebsorten Arborola und Bosco.

Vorgehen:

Kartoffeln (wenige, vielleicht 1-2 stück pro person) schälen und in ca 8mm dicke scheiben schneiden. 2-4 esslöffel pinienkerne auf dem boden einer grossen pfanne (für die ein passender deckel in reichweite für später liegt) trocken anrösten. Vom feuer nehmen und mit einem schuss wein ablöschen, dass die temperatur unter 100 grad sinkt. Die kerne in der pfanne dann sehr, sehr grosszügig mit olivenöl begiessen und mit nochmal mit wenigstens genausoviel weisswein anreichern und aufkochen. Bei mir stand dann sicher mehr als ein halber zentimeter flüssigkeit in der pfanne. Die kartoffelscheiben flach auf dem boden der pfanne verteilen, 2-4 esslöffel von den oliven in die pfanne geben, den saft einer kleinen zitrone (je nach säure der verwendeten fruch evtl. weniger) dazugeben und grosszügig mit meersalz überstreuen. Deckel drauf und das ganze bei mittlerer bis kleiner hitze bei geschlossenem deckel ca. 20 minuten schmoren / dünsten lassen – bis die kartoffeln so gut wie gar sind und sich aus der stärke der kartoffeln mit dem öl, den pinienkernen, dem  zitronensaft, dem wein und den oliven eine im ansatz sämige flüssigkeit gebildet hat. Dann, die selbst auch gesalzenen fischfilets auf dem ganzen ensemble verteilen, ohne dass sie sich überlappen, evtl. noch etwas wein nachgiessen und bei geschlossenem deckel – je nach dicke – 4-8 minuten garziehen lassen. Am besten nach der hälfte der zeit einmal wenden. Auf dem teller anrichten. Molto semplice eben.

Heraus kommt das hier:

Und es sei mir geglaubt: es schmeckt noch um mehrere grössenordnungen besser als es aussieht.

Ich will auch mal wieder ein schwein schlachten.

http://floriansiepert.com/post/352327507/porkcamp-ein-schwein-wird-geschlachtet

Hach ja, das waren noch zeiten.

Kürzlich war Onkel Mattel in einem der wenigen so genannten orientalischen Supermärkte von Kiel. Auch diesbezüglich befindet man sich am Ende der Republik (jedenfalls, wenn man von Süden kommt). However, eigentlich wollte ich nur einige Gewürze und Granatapfelsirup kaufen, bin dann aber auch an die Fleischtheke gegangen und irgendwie hat mich das gemischte Hackfleich (Lamm & Rind) angemacht. Tja, warum eigentlich nicht? Und so habe ich rund 850 g erstanden, nicht wissend, was für einen riesigen Klopps das ergeben würde.

Ejal, ssu Hause ha ick det Jehackte mit allerlei Gewürzen und Zutaten veredelt. Und das ah dann in Detail so aus:

Salz & Pfeffer

je 1 EL Koriander und Kreuzkümmelpulver

1/2 Bund frisch gehackte Korianderblätter

2 Zwiebeln (mittelgroß)

4 Knoblauchzehen (fein gehackt)

ca. 100g gehackte Cashewkerne

4 Eier & 3 EL Paniermehl

5 getrocknete Feigen (in feine, kleine Stückchen geschnitten)

Dann das ganze Zeug dann ordentlich vermischt und zu einem Giant-Klopps geformt. Anschließend noch die obere Seite kreuzförmig eingeritzt und in eine geölte Auflaufform und bei 200°C rund 40 Minuten im Ofen gebacken.

Dazu gab’s eine höllisch scharfe Paprikasoße (mit nur einer feingehackten Mex-Chilischote, die es aber auf 1.000 000 Scoville bringt) und Basmati-Reis. Lägger!

Mapo Tofu ist unsere liebste Nervennahrung. Wenn die Welt oder das Wetter schlecht sind, dann holen wir uns Mapo Tofu vom Chinesen. Es ist scharf, fettig, eiweißhaltig und leicht euphorisierend. Wir haben es eher aus Zufall kennengelernt, unser örtlicher Chinese hat eine Spezialitätenkarte, mit Hühnerfüßen, Entenzungen und solchen Sachen. Da haben wir uns noch nicht herangetraut. Aber “Tofu mit Schweinefleisch” klang erst einmal interessant, und auch einigermaßen unverfänglich. Das war dann die Entdeckung des Jahres 2008.

Foto: Todd Fast

Foto: Todd Fast

Durch kurzes Googeln habe ich dann gelernt, dass es sich um ein ziemlich beliebtes Gericht aus der Szechuan-Küche handelt, es gibt auch ein paar Rezepte, wie z.B. das hier. Trotzdem hat das Reverse Engineering eine Weile gedauert, da man für dieses Rezept Bohnenpaste benötigt (und fermentierte Bohnen, aber die lasse ich weg). Aber nicht irgendeine, sondern eine bestimmte, mit Chili gewürzte aus Szechuan. Erst nachdem ich einen chinesischen Asialaden gefunden und die dortigen Verkäuferinnen ordentlich gelöchert hatte, konnte ich selbst loslegen. Wie es sich für ein Gericht aus Szechuan gehört, ist Szechuan-Pfeffer drin. Den hatte ich vorher nie verwendet, aber es ist ein besonderes Geschmackerlebnis: Szechuan-Pfeffer erhöht die Speichelproduktion, so dass einem richtig der Mund wässerig wird beim Essen, außerdem kann die Zunge etwas taub werden davon. Klingt nicht gut? Probieren! kann ich nur sagen. Den Rest des Beitrags lesen »

Dieses Gericht habe ich gelernt, weil ein Freund von mir es als Lieblingsgericht immer beim Vietnamesen bestellt. Leider war ich noch nie in Vietnam, aber ich möchte gerne hin – vietnamesisches Essen ist der Wahnsinn!! Jedenfalls, meinem Freund habe ich versprochen, sein Lieblingsessen mal nachzubauen. Mittlerweile ist es ein Standardessen bei uns zu Hause, weil es auch die Kinder gerne mögen.

Ca Ri Ga

Das Interessante an dem Rezept ist, dass es mit indischem Currypulver zubereitet wird – es ist sozusagen indisch inspiriert. Beim Vietnamesen habe ich es mit größeren Hühnchenteilen gegessen – ganze Brüste und Beine. Die Kochzeit ist ein wenig länger.  Für den Hausgebrauch koche ich deshalb eine schnellere Variante mit Hühnerbrustfilets, die vermutlich vom Originalrezept etwas abweicht. Als Beilage kann man Reis nehmen, es wird in Vietnam aber auch mit Baguette gegessen, so habe ich gelesen, und konnte es mir erst nicht vorstellen. Aber funktioniert hervorragend mit Baguette, denn es hat eine eher suppige Konsistenz.

Für 4 – 5

  • 400g Hühnerbrustfilet, in dünne Scheiben geschnitten
  • 2 mittelgroße Süßkartoffeln, gewürfelt (Kartoffeln und Möhren passen auch)
  • 1 Gemüsezwiebel oder eine Handvoll Schalotten, in Scheiben
  • 1 Stück Ingwer, gerieben
  • 1 Zehe Knoblauch, gequetscht
  • 2 EL Madras-Currypulver
  • 1 Stange Zitronengras, gequetscht
  • 1 Tasse Hühnerbrühe (geht auch Brühwürfel)
  • 1 Dose Kokosmilch
  • 1 – 2 EL Fischsauce
  • 1 EL Zucker

Falls die Beilage Reis sein soll, diesen ruhig erst aufsetzen.

Die Zwiebeln anbraten. Ingwer-Knoblauch-Paste dazu und kurz mitbraten. Currypulver dazu und ebenfalls kurz mitbraten. Mit der Hühnerbrühe aufgießen und den größten Teil der Kokosmilch dazu. Süßkartoffeln, Zitronengras, Fischsauce und Zucker hineingeben und das Ganze köcheln lassen, bis die Süßkartoffeln weich sind (ca. 10 Minuten). Das Huhn hineingeben und garziehen lassen. Den Rest Kokosmilch hinein und kräftig nachsalzen – das ist wichtig, denn wenn Salz fehlt, schmeckt dieses Gericht nur halb so gut! In eine Schüssel füllen und mit Reis oder Baguette servieren.

Ach so, und für die Vegetarier: Ich habs auch schonmal ohne Huhn gemacht, und das ging gut. Allerdings war Fischsauce drin und Hühnerbrühe – das sind halt die Geschmacksverstärker. Weiß nicht, ob das nur mit Gemüsebrühe und ohne Fischsauce so funzt…

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